Welsangeln bei Hochwasser: Wenn der Fluss steigt, steigen die Chancen

Steigende Pegel lösen bei vielen Anglern Skepsis aus und viele meiden das Wasser unter solchen Bedingungen. Doch für den Welsangler beginnt jetzt die spannendste Zeit des Jahres. Wenn der Fluss über die Ufer tritt, werden die Karten neu gemischt. Wer die Dynamik des Wassers versteht, kann Sternstunden erleben – wer sie jedoch unterschätzt, begibt sich in Lebensgefahr.

1. Die Völkerwanderung im Fluss

Sobald der Wasserdruck in der Hauptrinne steigt, beginnt eine massive Fluchtbewegung. Die Futterfische – Brassen, Alande und Rotaugen – können gegen die enorme Strömung nicht dauerhaft ankämpfen. Sie suchen Schutz in den nun überfluteten Uferbereichen, Kehrwässern und überschwemmten Wiesen. Hier sinkt die Strömungsgeschwindigkeit gegen Null und sie finden Nahrung, die vom Land ins Wasser gespült wurde.

Der Wels ist ein Schatten: Er folgt seinen Beutefischen unmittelbar. Er verlässt seine tiefen Löcher in der Fahrrinne und zieht direkt ins Flachwasser – oft nur wenige Meter vom neuen Ufer entfernt.

2. Jagen im „Blindflug“: Die Seitenlinie

Bei kaffeebraunem Wasser und Null Sichtweite ist das Auge des Wallers nutzlos. Er schaltet jetzt komplett auf sein Seitenlinienorgan um und spürt jede noch so kleine Druckwelle seiner Beute.

• Unsere Taktik: Wir müssen Reize setzen, die dieses Organ gezielt ansprechen. Eine Vibrations-U-Pose oder eine Rassel an der Abspannmontage sind hier absolute Gamechanger. Sie erzeugen in der Strömung permanente Turbulenzen und akustische Reize, die der Wels auch über große Distanz orten kann.

3. Methoden für das Extremwasser

Zwei Methoden haben sich bei Hochwasser als unschlagbar erwiesen:

• Abspannen mithilfe eines Auslegers: Um die Schnur aus der massiven Strömung herauszuhalten und vor Treibgut zu schützen, spannen wir die Montagen an überflutete Büsche oder Bäume ab. Eine Wallerpose hilft dabei, den Druck auf die Hauptschnur zu senken – was gerade bei weiten Distanzen ein enormer Vorteil ist.

• Ufernahes Angeln: Oft reicht es, die Rute nur wenige Meter weit direkt unter der Rutenspitze an der Steinpackung abzulegen. Dort, wo das Wasser zur Ruhe kommt, patrouilliert der Wels.

Zusatz-Tipp: Die Strömungskante kann ein absoluter Hotspot sein, wenn der Pegel langsam zurückgeht. Hier warten die Welse auf Beute, die allmählich in den Hauptstrom zurückkehrt. Mit einer Propeller-U-Pose erzeugst du extra Reize, die den Wels direkt zu deinem Köder führen.

4. Der Drill bei Hochwasser

Im Drill kommst du bei Hochwasser kaum darum herum, vom Boot aus zu agieren. Hier muss jeder Handgriff sitzen! Sei dir bewusst, dass dich die Strömung ein gutes Stück flussabwärts treiben kann. Zieht der Wels in die harte Strömung, ist die Beanspruchung für Mensch und Material um ein Vielfaches höher.

Wichtig: Lass dir Zeit! Auch wenn das Wasser drückt und du den Fisch schnell landen willst: Geh es ruhig an. Versuche, den Fisch in beruhigte Bereiche zu manövrieren, um ihn dort sicher zu landen.

5. Sicherheit: Kein Fisch ist dein Leben wert

Hochwasser ist tückisch. Wir empfehlen für diese Angelei immer ein Schlauchboot, da man nur so die Montagen sicher ausbringen und Fische im Hindernis drillen kann. Aber beachte:

• Schwimmwesten-Pflicht: Eine ohnmachtssichere Rettungsweste ist unverzichtbar. Bei einem Sturz in die Strömung hast du ohne Weste kaum eine Chance.

• Material-Check: Überprüfe dein Boot und den Motor (Sprit, Zündkerzen, Schläuche) akribisch, bevor du losziehst. Ein Motorausfall bei Hochwasser kann katastrophal enden.

• Treibgut-Gefahr: Ganze Baumstämme und riesige Astgabeln können unter der Oberfläche treiben. Sie können dein Boot beschädigen oder den Motor blockieren.

• Eigenschutz: Informiere jemanden über deinen Standort, wenn du alleine unterwegs bist. Achte auf unterspülte Uferkanten, die jederzeit wegbrechen können. Halte deinen Angelplatz sauber, um gefährliche Stolperfallen zu vermeiden.